Balduin Bählamm - der verhinderte Dichter von Wilhelm Busch, eine Lesung mit Musik, Bildern und Schauspiel für Erwachsene und Dicheter im Kurbeltheater Dresden

Balduin Bählamm ‐ Der verhinderte Dichter.

von. Wilhelm Busch
für. Erwachsene & Dichter
lang. ca. 55 Minuten

Geschichte. Balduin Bählamm - ein Angestellter, ein Buchhalter, ein Familienvater, ein ganz normaler Mensch - eingebunden in den Alltag des Lebens, führt sein solches ruhig und geregelt zwischen Arbeit, Frau und Kindern.

Doch im Inneren fühlt er sich zu etwas Höherem berufen, zu etwas Über-Alltäglichem: den Künsten, den Musen der Dichtung.
Er will und muss seiner Bestimmung folgen, sich mitteilen, seine Gefühle zu Papier bringen, sich mit seinen Worten in die Herzen seiner Mitmenschen bringen, mit Schöngeist in Erinnerung bleiben.

Bählamm packt es an und schreitet zur Tat. Ausgestattet mit Papier und Bleistift begibt er sich nach der Arbeit in den Park – doch alle Bänke sind besetzt. In der Gartenwirtschaft gibt es Platz und Bier – der Gedanke kommt, der Stift ist gespitzt - doch ein Freund reisst ihn heraus und trinkt im Gehen noch sein Bier. Zuhause sucht er die Ruhe - doch die Kinder stören, die Frau braucht sein Geld - wohin er auch geht: das Dichten wird ihm verwehrt.

Er beschließt die Flucht nach vorn. Auf`s Land muss man gehen; die frische Luft, die Ruhe, die ländliche Idylle: Das muss der wahre Ort der Inspiration sein, der wahre Ort zum Dichten.

So begibt er sich auf die Reise, lässt Frau und Kinder zurück und ist voller Erwartung. Doch das Landleben bietet dem angehenden Dichter und Städter leider auch keinen Freiraum für die Kunst: Von den Bauern belächelt, von der Magd provoziert und vom Knecht gezüchtigt, versetzen ihn Wetter, Mücken und Zahnweh in gar missliche Lebenslagen - von Idylle, Zeit und Ruhe also keine Spur... All das zwingt ihn, erschöpft und unverrichteter Dinge, zur Heimkehr. Als im Zug durch unglückliche Umstände auch noch ein Kleinkind sein eigen wird, ist Bählamms Elend am Zenit.

Angekommen im Heim bei Frau und Kindern wird er dann doch noch vom Kleinkind erlöst. Von seiner Frau zu Bett gebracht, gleitet er nun voller Frieden in einen Traum. Da endlich ist Platz für seine Gedanken - die Musen kommen und nehmen ihn mit - den Dichter, den Künstler... Er beginnt zu fliegen, entschwebt dem Heute und Hier – doch da greift jemand nach seinem Bein. Seine Frau, die ihn nach unten zieht! Er erwacht, hört eine Stimme: "Es ist schon acht!" - Alsdann: zum Dienst geht Bählamm – wie ehedem – als Buchhalter ins Büro.

Musik. Mit Gesang, Gitarre, Tuba, Bass, Mundharmonika, Schlagwerk und Luftorgel dargeboten, kommentiert und untermalt die eigens für das Stück komponierte Musik das Geschehen um den verhinderten Dichter. Augenzwinkernd werden allzu gewollt „lyrische“ Traditionen der Musikdarbietung auf´s Korn genommen und selbstgeschriebene Couplets führen das Sinnen über das „Dichterdasein“ fort.

Bemerkung. Mit der Figur des Balduin Bählamm schuf Wilhelm Busch eine perfekte Karikatur des „zu Höherem strebenden“ Bildungsbürgers. Die um 1870 sich etablierenden Kreise von Möchtegern-Dichtern und literarischen Schaumschlägern und die von ihnen verfasste Kitschliteratur kommentiert er auf bissige Weise. Und trotz der Verankerung in dieser Zeit hat der – wie stets bei Busch – grandios beobachtete und meisterhaft gezeichnete und gereimte „Bählamm“ bis heute nichts an Relevanz, Sarkasmus und Unterhaltsamkeit eingebüßt.

Presse. Dresdner Neueste Nachrichten (DNN) - Tipp des Tages (14. November 2014)
Presse. Elbhangkurier (November 2014)
Presse. Freunde der Puppentheatersammlung Dresden e.V. (5. November 2013)

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